Am 3. November findet ab 13.00 Uhr der Landeskonvent des VEKM Sachsen statt. Die Obleute der einzelnen Kirchenbezirke vertreten die Mitglieder der einzelnen Kirchenbezirke. Einladung und Tagesordnung, sowie der Bericht des Vorsitzenden werden hier veröffentlicht. Auf dem Landeskonvent wird auch Günter Seidel nach vielen Jahren Vorstandsarbeit verabschiedet. Er bleibt dem VEKM jedoch in seiner Eigenschaft als Mitglied des europäischen Verbandes EKEA erhalten. 
TAGESORDNUNG:
1. Bericht des Vorsitzenden zum Jahr 2011
2. Berufung in den Vorstand / Verabschiedung aus dem Vorstand
3. Kassenbericht und Entlastung der Geschäftsführerin, Frau Werner
4. Informationen aus der Arbeitsrechtskommission und von der EKEK
5. Sonstiges

BERICHT DES  VORSITZENDEN:

Liebe anwesende Mitglieder des VEKM, liebe Gäste,
Ein Verband muss seine Arbeit an seiner Satzung orientieren. Dort sind drei Ziele formu­liert:


Der VEKM, insbesondere Vorstand und Vor­sitzender, haben sich nach Kräften bemüht, diesen Zielen gerecht zu werden. Selbstver­ständlich wissen wir, der Vorsitzende insbeson­dere, um die Defizite in der Erfüllung der Aufga­ben. Der VEKM war im vergangenen Jahr durch verschiedene Mitglieder an fast allen re­levanten Planungen und Beschlüssen zur Kir­chenmusik beteiligt, so zum Beispiel der Modifi­zierung der Auslastungskriterien. Diese Modifi­zierung wird Verbesserungen bringen, ist aber weiterhin den Gegebenheiten anzupassen.

Die sächsische Kirchenmusik hat zur Zeit viele offene Baustellen:


Der VEKM hat in seinem Statement vor dem Synodalausschuß folgenden Kernforderungen Stellung bezogen:



Der VEKM versucht dabei die Kirchenmusi­kerschaft in all ihren Ausbildungs- und Anstel­lungsfacetten im Blick zu behalten. Das ist nicht ohne Schwierigkeit. Außerdem gibt es regiona­le Bezüge und als VEKM müssen wir, auch im Sinne der Satzung, Kirche als Ganzes sehen. Eine nur einseitige Orientierung an quasi be­triebswirtschaftlichen Belangen von Kirchenmu­sik kann in dieser Weise nicht funktionieren. Deshalb brauchen wir einen stärkeren Aus­tausch unter uns Kirchenmusikern, aber auch mit den anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbei­tern im kirchlichen Dienst. Beziehungen und Mitarbeit in der Konferenz für Kirchenmusik, zum Landeskirchenamt aber auch zum Netz­werk oder dem Verband kirchlicher Mitarbeiter sind daher unerlässlich. Sie wurden und wer­den gepflegt.
Als VEKM nehmen wir wahr, dass das Be­wusstsein um die Bedeutung der Kirchenmusik für Kirche und Gemeinde nicht abgenommen hat. Im Gegenteil, einzelne Verantwortliche in verschiedenen Gremien und auf unterschiedlichen Ebenen erkennen, dass Kirchenmusik nicht nur ein tragendes Element, sondern vielerorts das tragende Ele­ment von Gemeindearbeit ist
Diese Feststel­lung muss einerseits Konsequenzen für die Kir­chenmusik, aber auch für die anderen Verkün­digungsbereiche haben. Eine Kirchenmusik kann sich nur wirklich gut entfalten, wenn sie in den anderen Bereichen gute Ansprechpartner mit eigenem geistlichen Leben findet. Kirchenmu­sik ist kein Selbst­zweck, sie braucht die Ge­meinde. Doch die Gemeinde benötigt auch eine funktionierende anspruchsvolle Kirchenmusik, selbst wenn manche meinen, sie sei nur Ver­schönerung des Eigentlichen
Als VEKM nehmen wir natürlich wahr, in welchem Maße Kirchenmusiker durch den Erfolg oder Misserfolg ihrer Arbeit in höchst problematische Situationen kommen. Nach wie vor spielen persönliche Affinitäten, Antipathien und willkürlicher Umgang mit Vorschriften die große Rolle in den Auseinandersetzungen, die den VEKM beschäftigen. Ein großer Anteil der Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker führt ohne schwerwiegende Konflikte seine Tätigkeit durch. Dies macht aber die Auseinanderset­zung mit den nichtfunktionierenden Verhältnis­sen um so notwendiger. Auch gibt es keine Er­hebung darüber, ob ein arbeits- und dienst­rechtlich funktionierendes Verhältnis zwischen Kirchenmusiker und Gemeinde auch eine per­sönliche positive Identifikation der Kirchenmusi­kerin oder des Kirchenmusikers mit den jeweili­gen Gegebenheiten ergibt. Die Anzeichen inne­rer Ermüdung, fehlender Selbstmotivierung, auch von Vereinsamung, bleiben bis zum Ein­tritt in mitunter bittere persönliche Situationen oft verborgen. Christliche Gemeinschaft, siehe VEKM Satzung, muss dies eigentlich primär im Blick haben. Als Vorsitzender bin ich an diesem Punkt ziemlich ratlos, wie man hier als Verein diagnostisch tätig werden kann. Wir alle müs­sen Sensibilität für solche Menschen entwi­ckeln. Auch jeder von uns ist vor einer tiefen Krise nicht gefeit.
Der VEKM hat in seltenen Fällen kleinere fi­nanzielle Unterstützungen gewährt. Der letzte Antrag auf Unterstützung liegt schon vor mei­ner Zeit. Aus aktuellem Grund wurde dieses Thema wieder belebt. Die Frage stand, ob wir als VEKM eine Unterstützungskasse für Kir­chenmusiker einrichten könnten. Neben der Tatsache, dass unsere finanziellen Mittel viel zu gering für eine wirklich spürbare Hilfe wären, sind auch die rechtlichen Hürden zur dauerhaf­ten Einrichtung recht groß. Hilfe kann nur im speziellen und sorgsam geprüften Fall durch eine dafür anberaumte Sammlung unter der Kollegenschaft erfolgen. Im nächsten Spenden­brief wird darauf eingegangen werden.

Als Verband müssen wir höchstes Interesse an einem gutem Niveau kirchlicher Arbeit ha­ben. Das Gute und nicht das "Gut Gemeinte" muss uns Orientierung sein. Damit ist nicht ei­ner missverständlichen Professionalisierung das Wort geredet. Wir arbeiten fast überwiegend mit Laien und ein großer Teil kirchenmusikalisch Verantwortlicher arbeitet im Neben- oder Ehrenamt. Das "Gute" erhält seine Qualität durch eine ästhetische und intellektuelle Substanz. Immer wieder wird mit Recht beklagt, das in Gottesdiensten liturgische Vorgaben und Regelungen kaum noch eine Rolle spielen oder aber ein sich unreflektierendes "wie immer" breit macht. Hier sind regelrechte "Nöte" entstanden.
Anregungen oder Kritik (welche ja immer auch Anregung zur Verbesserung sein soll) finden bei Pfarrern oder Kirchenvorständen leider recht selten Gehör und werden aufgrund fehlender Konfliktkultur oft sofort als persön­liche Infragestellung oder sogar Angriff miss­verstanden. Dem Thema soll eine Fortbildung im nächsten Jahr dienen. Im abgelaufenen Jahr haben wir eine Fortbildung finanziell unterstützt, zwei geplante Fortbildungen kamen mangels Beteiligung nicht zustande.

Als VEKM sind wir in der Verantwortung ge­genüber unseren Mitgliedern und aller Kirchen­musikerinnen und Kirchenmusiker. Die soziale Situation hat sich in den letzten Jahren nicht grundsätzlich gebessert. Die Realeinkommen sind trotz Lohnsteigerung nicht gestiegen. Be­lastungen, wie Kosten für Arbeitszimmer, Mate­rialien, Noten, Dienstfahrzeug etc. bleiben zu einem nicht unerheblichen Teil an den Mitarbei­tern hängen, trotz steuerlicher Absetzbarkeit. Die vielen Teilzeitangestellten betrifft es in be­sonderer Weise. Dem Theologennachwuchs wurden sehr gute Berufsaussichten in der sächsischen Landeskirche gemacht. Das ist auch ein für uns erfreulicher Umstand. Das dies weithin unter Beibehaltung des sozial sehr komfortablen Beamtendienstes geschehen wird, ist ein höchst erfreulicher Umstand für die zukünftigen Pfarrerinnen und Pfarrer. Das zu den Berufs-und Stellenaussichten der anderen Angestell­ten nur die verbindliche Zusage nach 10 pro­zentigem Stellenabbau aller sechs Jahre ge­macht worden ist, relativiert manches. Zöger­lichkeit und Hinhalten bei den Eingruppierun­gen beschäftigen den VEKM nun seit Jahren. Erste substanzielle Verhandlungen haben nun endlich begonnen. Auch das fast alle Mehr-einnahmen in die Pensionskassen der Landes-kirche fließen, um diese zu stabilisieren, sind nicht gerade beruhigende Zeichen.
Dies auf dem Hintergrund aller bekannten Problematiken besehen, ergibt nicht gerade eine wirklich verlässliche Perspektive für unse­ren Beruf, zudem wir doch jungen Menschen Mut machen sollen und auch wollen. Wir hören zwar immer wieder auf ´s Neue von der Wich­tigkeit der Kirchenmusik und der Einheit der Verkündigungsdienste. Das bisher gewesene und weiter geschehende Primat des Pfarrdiens­tes gegenüber allen anderen Äußerungen kirchlichen und gemeindlichen Lebens bleibt bestehen. Auch wenn etliche in der Kollegen­schaft und in den Gemeinden dies scheinbar als gottge­gebene Ordnung sehen und vielleicht nur in dieser Weise damit umgehen können, bleibt es doch für viele andere eine schmerzliche Gege­benheit. Als Vorsitzender des VEKM, als Kantor und als Gemeindeglied steht für mich die Auf­gabe an einer Verbesserung der Verhältnisse zu arbeiten. Diese Problematik haben wir im Ad-hoc Ausschuss benannt, wohl wissend, dass Veränderung nicht im Gegen- sondern nur im Miteinander geschehen kann. In diesem Zu­sammenhang erinnere ich an die vom VEKM schon vor einiger Zeit gemachte Anregung, über Beauftragung und / oder Ordination auch für Kirchenmusiker neu nachzudenken. Die im KMD Ad-Hoc Statement gemachten Aussagen dazu haben dies aufgegriffen, wenn auch die Ausschließlichkeit der Beauftragung im KMD - Do­kument nicht von allen umfänglich nachvoll­zogen werden kann. Wir benötigen neben materiellen Verbesserungen auch eine Klärung über unser Selbstverständnis und unseren Platz in Kirche und Gemeinde.

Der VEKM Sachsen ist kein Verein, der sich mit einer Sache beschäftigt, sondern der die Anliegen einer bestimmten Gruppe vertritt. Die­se Anliegen sind beruflicher, doch auch geistli­cher Natur. Deshalb kann und darf der VEKM nie nur als "gewerkschaftlicher" Ersatz gesehen werden. Als Vorsitzender habe ich deshalb auch im vergangenen Jahr versucht, nicht nur fachlich zu Seite zur stehen, sondern, soweit Vermögen und Kräfte reichen, auch geistlich Hilfe zu geben. Ob mir das geglückt ist, vermag ich nicht zu beurteilen.

Wichtige Punkte der Arbeit für das kommen­de Jahr werden sein:

Als Verband müssen wir uns darum mühen, neue Mitglieder zu gewinnen und deutlich machen, dass der VEKM ihre Interessen­vertretung ist. Deshalb bitte ich Vorstände, Obleute und KMD´s in den Konventen für den VEKM mit einem guten Wort zu werben. Aber der VEKM bedarf nicht nur neuer Mitglieder, sondern auch der Mithilfe und Mitarbeit seiner Mitglieder. Der VEKM muss und will bessere Verbandsarbeit leisten. Deshalb versorgt den Vorstand und Vorsitzenden mit Informationen, Anregungen und auch mit Kritik.
Im abgelaufenen Berichtsjahr wurde ein neuer Vorstand gewählt und durch Berufung komplettiert. Im Bericht soll auch die Verabschiedung von Günter Seidel gebührende Erwähnung finden. Seinem langjährigen Enga­gement hat der VEKM viel zu verdanken, seiner Tätigkeit im europäischen Verband ebenso. Mit Verbindlichkeit, Offenheit und gu­tem Humor hat er im Vorstand lange Jahre gearbeitet. Dafür nochmals herzlichen Dank!
Der VEKM war im vergangenen Jahr ein verlässlicher Partner und will dies auch im kommenden Jahr sein. Für Geleistetes bedan­ke ich mich bei allen sehr herzlich, insbeson­dere bei unserer Geschäftsführerin Angelika Werner und den anderen Vorstandskollegen. Ich sage auch Dank der Konferenz für Kirchenmusik und wünsche unserer Arbeit im VEKM Gottes Segen.

Jens Petzl, Vorsitzender