TAGESORDNUNG:
1. Bericht des Vorsitzenden zum Jahr 2011
2. Berufung in den Vorstand / Verabschiedung aus dem Vorstand
3. Kassenbericht und Entlastung der Geschäftsführerin, Frau Werner
4. Informationen aus der Arbeitsrechtskommission und von der EKEK
5. Sonstiges
BERICHT DES VORSITZENDEN:
Liebe
anwesende Mitglieder des VEKM, liebe
Gäste,
Ein
Verband muss seine Arbeit an seiner Satzung orientieren. Dort sind
drei Ziele formuliert:
-
Pflege der christlichen Gemeinschaft unter den Mitgliedern
-
Beratung und Vertretung von Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusikern in fachlichen, rechtlichen und sozialen Anliegen
-
Förderung des Informationsaustauschs zwischen den Mitgliedern und den anderen kirchlichen Werken
Der VEKM, insbesondere Vorstand und Vorsitzender, haben sich nach Kräften bemüht, diesen Zielen gerecht zu werden. Selbstverständlich wissen wir, der Vorsitzende insbesondere, um die Defizite in der Erfüllung der Aufgaben. Der VEKM war im vergangenen Jahr durch verschiedene Mitglieder an fast allen relevanten Planungen und Beschlüssen zur Kirchenmusik beteiligt, so zum Beispiel der Modifizierung der Auslastungskriterien. Diese Modifizierung wird Verbesserungen bringen, ist aber weiterhin den Gegebenheiten anzupassen.
Die sächsische Kirchenmusik hat zur Zeit viele offene Baustellen:
-
Umsetzung der Strukturmaßnahmen
-
Eingruppierung der Kirchenmusiker
-
Anstellungsfragen
-
Bildungskonzeption
-
Arbeitsstelle für Kirchenmusik
-
synodaler ad-hoc Ausschuss
-
Neuordnung der Vertretungsentgelte
-
Konzeption über die Zusammenarbeit der verschiedenen Verbände (Konfe-renz für Kirchenmusik)
-
Netzwerk als neuer Zusammenschluss
Der VEKM hat in seinem Statement vor dem Synodalausschuß folgenden Kernforderungen Stellung bezogen:
-
Erhöhung von Anstellungen
-
bessere Bezahlung
-
Klärung arbeitsrechtlicher Strukturen
-
Verbesserung der Möglichkeiten zur Beschäftigung in Teilzeitanstellungen
-
bessere Bedingungen für den Dienst als KMD und LKMD
-
Schaffung einer Arbeitsstelle für Kirchenmusik
Der
VEKM versucht dabei die Kirchenmusikerschaft in all ihren
Ausbildungs- und Anstellungsfacetten im Blick zu behalten. Das
ist nicht ohne Schwierigkeit. Außerdem gibt es
regionale Bezüge
und als VEKM müssen wir, auch im Sinne der Satzung, Kirche als
Ganzes sehen. Eine nur einseitige Orientierung an quasi
betriebswirtschaftlichen Belangen von Kirchenmusik
kann in
dieser Weise nicht funktionieren. Deshalb brauchen wir einen
stärkeren Austausch unter uns Kirchenmusikern, aber
auch mit
den anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im kirchlichen
Dienst. Beziehungen und Mitarbeit in der Konferenz für
Kirchenmusik,
zum Landeskirchenamt aber auch zum Netzwerk oder dem Verband
kirchlicher Mitarbeiter sind daher unerlässlich. Sie wurden
und
werden gepflegt.
Als
VEKM nehmen wir wahr, dass das Bewusstsein um die Bedeutung
der
Kirchenmusik für Kirche und Gemeinde nicht abgenommen hat. Im
Gegenteil, einzelne Verantwortliche in verschiedenen Gremien und auf
unterschiedlichen Ebenen erkennen, dass Kirchenmusik nicht nur ein
tragendes Element, sondern vielerorts das tragende Element von
Gemeindearbeit ist
Diese
Feststellung muss einerseits Konsequenzen für die
Kirchenmusik, aber auch für die anderen
Verkündigungsbereiche
haben. Eine Kirchenmusik kann sich nur wirklich gut entfalten, wenn
sie in den anderen Bereichen gute Ansprechpartner mit eigenem
geistlichen Leben findet. Kirchenmusik ist kein
Selbstzweck,
sie braucht die Gemeinde. Doch die Gemeinde benötigt
auch eine
funktionierende anspruchsvolle Kirchenmusik, selbst wenn manche
meinen, sie sei nur Verschönerung des Eigentlichen
Als
VEKM nehmen wir natürlich wahr, in welchem Maße
Kirchenmusiker
durch den Erfolg oder Misserfolg ihrer Arbeit in höchst
problematische Situationen kommen. Nach wie vor spielen
persönliche
Affinitäten, Antipathien und willkürlicher Umgang mit
Vorschriften
die große Rolle in den Auseinandersetzungen, die den VEKM
beschäftigen. Ein großer Anteil der
Kirchenmusikerinnen und
Kirchenmusiker führt ohne schwerwiegende Konflikte seine
Tätigkeit
durch. Dies macht aber die Auseinandersetzung mit den
nichtfunktionierenden Verhältnissen um so
notwendiger. Auch
gibt es keine Erhebung darüber, ob ein arbeits- und
dienstrechtlich funktionierendes Verhältnis zwischen
Kirchenmusiker und Gemeinde auch eine persönliche
positive
Identifikation der Kirchenmusikerin oder des Kirchenmusikers
mit
den jeweiligen Gegebenheiten ergibt. Die Anzeichen
innerer
Ermüdung, fehlender Selbstmotivierung, auch von Vereinsamung,
bleiben bis zum Eintritt in mitunter bittere
persönliche
Situationen oft verborgen. Christliche Gemeinschaft, siehe VEKM
Satzung, muss dies eigentlich primär im Blick haben. Als
Vorsitzender bin ich an diesem Punkt ziemlich ratlos, wie man hier
als Verein diagnostisch tätig werden kann. Wir alle
müssen
Sensibilität für solche Menschen entwickeln.
Auch jeder von
uns ist vor einer tiefen Krise nicht gefeit.
Der
VEKM hat in seltenen Fällen kleinere finanzielle
Unterstützungen gewährt. Der letzte Antrag auf
Unterstützung liegt
schon vor meiner Zeit. Aus aktuellem Grund wurde dieses Thema
wieder belebt. Die Frage stand, ob wir als VEKM eine
Unterstützungskasse für Kirchenmusiker
einrichten könnten.
Neben der Tatsache, dass unsere finanziellen Mittel viel zu gering
für eine wirklich spürbare Hilfe wären, sind
auch die rechtlichen
Hürden zur dauerhaften Einrichtung recht
groß. Hilfe kann nur
im speziellen und sorgsam geprüften Fall durch eine
dafür
anberaumte Sammlung unter der Kollegenschaft erfolgen. Im
nächsten
Spendenbrief wird darauf eingegangen werden.
Als
Verband müssen wir höchstes Interesse an einem gutem
Niveau
kirchlicher Arbeit haben. Das Gute und nicht das "Gut
Gemeinte" muss uns Orientierung sein. Damit ist nicht einer
missverständlichen Professionalisierung das Wort geredet. Wir
arbeiten fast überwiegend mit Laien und ein großer
Teil
kirchenmusikalisch Verantwortlicher arbeitet im Neben- oder Ehrenamt.
Das "Gute" erhält seine Qualität durch eine
ästhetische
und intellektuelle Substanz. Immer wieder wird mit Recht beklagt, das
in Gottesdiensten liturgische Vorgaben und Regelungen kaum noch eine
Rolle spielen oder aber ein sich unreflektierendes "wie immer"
breit macht. Hier sind regelrechte "Nöte" entstanden.
Anregungen oder Kritik (welche ja immer auch Anregung zur
Verbesserung sein soll) finden bei Pfarrern oder
Kirchenvorständen
leider recht selten Gehör und werden aufgrund fehlender
Konfliktkultur oft sofort als persönliche
Infragestellung oder
sogar Angriff missverstanden. Dem Thema soll eine Fortbildung
im nächsten Jahr dienen. Im abgelaufenen Jahr haben wir eine
Fortbildung finanziell unterstützt, zwei geplante
Fortbildungen
kamen mangels Beteiligung nicht zustande.
Als
VEKM sind wir in der Verantwortung gegenüber unseren
Mitgliedern und aller Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker.
Die soziale Situation hat sich in den letzten Jahren nicht
grundsätzlich gebessert. Die Realeinkommen sind trotz
Lohnsteigerung
nicht gestiegen. Belastungen, wie Kosten für
Arbeitszimmer,
Materialien, Noten, Dienstfahrzeug etc. bleiben zu einem nicht
unerheblichen Teil an den Mitarbeitern hängen, trotz
steuerlicher Absetzbarkeit. Die vielen Teilzeitangestellten betrifft
es in besonderer Weise. Dem Theologennachwuchs wurden sehr
gute
Berufsaussichten in der sächsischen Landeskirche gemacht. Das
ist
auch ein für uns erfreulicher Umstand. Das dies weithin unter
Beibehaltung des sozial sehr komfortablen Beamtendienstes geschehen
wird, ist ein höchst erfreulicher Umstand für die
zukünftigen
Pfarrerinnen und Pfarrer. Das zu den Berufs-und Stellenaussichten der
anderen Angestellten nur die verbindliche Zusage nach 10
prozentigem Stellenabbau aller sechs Jahre gemacht
worden
ist, relativiert manches. Zögerlichkeit und Hinhalten
bei den
Eingruppierungen beschäftigen den VEKM nun seit
Jahren. Erste
substanzielle Verhandlungen haben nun endlich begonnen. Auch das fast
alle Mehr-einnahmen in die Pensionskassen der Landes-kirche
fließen,
um diese zu stabilisieren, sind nicht gerade beruhigende Zeichen.
Dies
auf dem Hintergrund aller bekannten Problematiken besehen, ergibt
nicht gerade eine wirklich verlässliche Perspektive
für unseren
Beruf, zudem wir doch jungen Menschen Mut machen sollen und auch
wollen. Wir hören zwar immer wieder auf ´s Neue von
der
Wichtigkeit der Kirchenmusik und der Einheit der
Verkündigungsdienste. Das bisher gewesene und weiter
geschehende
Primat des Pfarrdienstes gegenüber allen anderen
Äußerungen
kirchlichen und gemeindlichen Lebens bleibt bestehen. Auch wenn
etliche in der Kollegenschaft und in den Gemeinden dies
scheinbar als gottgegebene Ordnung sehen und vielleicht nur in
dieser Weise damit umgehen können, bleibt es doch für
viele andere
eine schmerzliche Gegebenheit. Als Vorsitzender des VEKM, als
Kantor und als Gemeindeglied steht für mich die
Aufgabe an
einer Verbesserung der Verhältnisse zu arbeiten. Diese
Problematik
haben wir im Ad-hoc Ausschuss benannt, wohl wissend, dass
Veränderung
nicht im Gegen- sondern nur im Miteinander geschehen kann. In diesem
Zusammenhang erinnere ich an die vom VEKM schon vor einiger
Zeit
gemachte Anregung, über Beauftragung und / oder Ordination
auch für
Kirchenmusiker neu nachzudenken. Die im KMD Ad-Hoc Statement
gemachten Aussagen dazu haben dies aufgegriffen, wenn auch die
Ausschließlichkeit der Beauftragung im KMD -
Dokument nicht von
allen umfänglich nachvollzogen werden kann. Wir
benötigen
neben materiellen Verbesserungen auch eine Klärung
über unser
Selbstverständnis und unseren Platz in Kirche und Gemeinde.
Der VEKM Sachsen ist kein Verein, der sich mit einer Sache beschäftigt, sondern der die Anliegen einer bestimmten Gruppe vertritt. Diese Anliegen sind beruflicher, doch auch geistlicher Natur. Deshalb kann und darf der VEKM nie nur als "gewerkschaftlicher" Ersatz gesehen werden. Als Vorsitzender habe ich deshalb auch im vergangenen Jahr versucht, nicht nur fachlich zu Seite zur stehen, sondern, soweit Vermögen und Kräfte reichen, auch geistlich Hilfe zu geben. Ob mir das geglückt ist, vermag ich nicht zu beurteilen.
Wichtige Punkte der Arbeit für das kommende Jahr werden sein:
-
Weiterverhandlung und Abschluss der Eingruppierungen entsprechend unserem Antrag
-
Erstellung einer gemeinsamen Publikation durch die Konferenz für Kirchenmusik
-
Vorbereitung und Durchführung des Kirchenmusikertages im September
-
Mitarbeit bei der Planung des Landeskirchenmusiktage 2014
Als
Verband müssen wir uns darum mühen, neue Mitglieder
zu gewinnen und
deutlich machen, dass der VEKM ihre Interessenvertretung ist.
Deshalb bitte ich Vorstände, Obleute und KMD´s in
den Konventen für
den VEKM mit einem guten Wort zu werben. Aber der VEKM bedarf nicht
nur neuer Mitglieder, sondern auch der Mithilfe und Mitarbeit seiner
Mitglieder. Der VEKM muss und will bessere Verbandsarbeit leisten.
Deshalb versorgt den Vorstand und Vorsitzenden mit Informationen,
Anregungen und auch mit Kritik.
Im
abgelaufenen Berichtsjahr wurde ein neuer Vorstand gewählt und
durch
Berufung komplettiert. Im Bericht soll auch die Verabschiedung von
Günter Seidel gebührende Erwähnung finden.
Seinem langjährigen
Engagement hat der VEKM viel zu verdanken, seiner
Tätigkeit im
europäischen Verband ebenso. Mit Verbindlichkeit, Offenheit
und
gutem Humor hat er im Vorstand lange Jahre gearbeitet.
Dafür
nochmals herzlichen Dank!
Der
VEKM war im vergangenen Jahr ein verlässlicher Partner und
will dies
auch im kommenden Jahr sein. Für Geleistetes bedanke
ich mich
bei allen sehr herzlich, insbesondere bei unserer
Geschäftsführerin Angelika Werner und den anderen
Vorstandskollegen. Ich sage auch Dank der Konferenz für
Kirchenmusik
und wünsche unserer Arbeit im VEKM Gottes Segen.
Jens Petzl, Vorsitzender